Große Exkursion Weimar 2025
In Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar fand am 9. Juli 2025 unsere große Jahresexkursion nach Weimar statt. Ein zentrales Thema bildete die Begegnung mit der Weimarer Klassik, welche durch die historisch bedeutsamen Freundschaften zwischen der Herzoginmutter Anna-Amalia, dem Herzog Carl August, und den Dichtern und Denkern Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder geprägt wurde. Ihre Spuren konnten wir an diesem Tag nachverfolgen.
Unsere Exkursion begann vor dem Residenzschloss Weimar, dort begrüßte uns Dr. Folker Metzger, Leiter der Stabsstelle Kulturelle Bildung der Klassik Stiftung Weimar. Im Schloss besichtigten wir, geführt von Christian Pönitz und Manfred Zimmermann, in zwei Gruppen die Schlosskapelle und die Dichterzimmer. Die vier prägenden Dichter und Denker der Weimarer Klassik, Goethe, Schiller, Wieland und Herder, werden mit je einem aufwendig gestalteten Zimmer geehrt, das Bezug auf ihr dichterisches und philosophisches Werk nimmt. Die in neoromanischem Stil gestaltete Schlosskapelle mit dem Gemälde eines Engelkonzertes in der Apsis ist nach langer Restaurierungsarbeit wieder der Öffentlichkeit zugänglich.
Danach gab es einen kleinen mittäglichen Imbiss im integrativen Samocca-Café neben dem Studienzentrum der Anna-Amalia-Bibliothek und dem Erlebnisportal Weimar. Der moderne Bücherkubus ist das Herzstück des Gebäudekomplexes. Rund um den Bücherkubus sind wechselnde Präsentationen zu sehen. Das Studienzentrum wurde von den Architekten Karl-Heinz Schmitz und Hilde Barz-Malfatti entworfen und 2005 eingeweiht. Das Erlebnisportal Weimar präsentiert in einem spektakulären Neubau im Medium des Films, des Audiofeatures und der Musik sieben kuratierte Touren in die Thüringer Kulturlandschaft.
Die Mittagszeit konnte fakultativ für einen kurzen Besuch der historischen Anna Amalia Bibliothek oder des Schillermuseums genutzt werden, wo die interaktive und multimediale Literaturausstellung „Faust“ gezeigt wird. Sie inszeniert aktuelle Lesarten des Stoffes und fragt danach, was uns die Geschichte des strebsamen, nach Erkenntnis suchenden Wissenschaftlers und seines magischen Begleiters heute noch zu sagen haben.
Nach der Mittagspause traf man sich wieder am Co-Labor. Das Co-Labor ist ein kostenfreier temporärer Begegnungs- und Veranstaltungsort mitten im Welterbe des Klassischen Weimars. Zwischen Residenzschloss und Park an der Ilm bietet es vielfältige Angebote. Von dort aus wurde in zwei Gruppen die „Phönix-Führung“ durch den Park an der Ilm gestartet, jeweils begleitet von Dr. Folker Metzger und Christian Pönitz. Stationen am Tempelherrenhaus, Borkenhäuschen und an Goethes Gartenhaus bildeten Anknüpfungspunkte an die kulturell produktive Freundschaft zwischen Goethe und Carl August. Der Dichter und sein Fürst waren es auch, welche die Idee des englischen Landschaftsparks bei einem Besuch im Gartenreich Dessau-Wörlitz entdeckten und nach Weimar brachten. So bildete die Exkursion 2025 eine Verbindung zu den früheren Exkursionen der Universitätsgesellschaft nach Wörlitz in den Jahren 2019, 2021, 2022 und 2023.
Zum Abschluss der Führung durch den Park an der Ilm wurde das Römische Haus besichtigt. Der klassizistische Bau entstand unter der Leitung Goethes nach dem Vorbild römischer Villen als Geschenk für Carl August. Die repräsentativen Räume im Stile der Ausgrabungen des antiken Pompeji konnten im Obergeschoss betrachtet werden, im Untergeschoss war ein interaktives Modell des Parks an der Ilm und eine originale Sphinx-Statue als Verweis auf das alte Ägypten als kulturelles Fundament der griechisch-römischen Antike zu besichtigen.
Nach dem Bustransfer zum Schloss Belvedere entdeckten wir die botanische Vielfalt des Schlossparks und der Orangerie Belvedere und tauchten tiefer in die Geschichte des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein. Der Rundgang durch die vielfältigen Parkanlagen von Belvedere fand wiederum in zwei Gruppen statt, jeweils geleitet von Birgit Rudolph und Marion Kyritz-Kammerer.
Vor dem abendlichen Picknick in der Orangerie wurde die Universitätsgesellschaft von Dr. Ulrike Lorenz begrüßt. Die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar gab ihrer Freude über die gelungene Kooperation zwischen den Institutionen aus Weimar und Leipzig Ausdruck. In ihrer Rede wies sie auf die Bedeutung der Stiftung hin, die mit 27 Standorten und über 400 Mitarbeitern zu den größten Kultureinrichtungen Deutschlands zählt. In Zeiten politischer Ungewissheit könne die Weimarer Klassik als wichtiger Orientierungspunkt dienen. Sie beschrieb die Entwicklung des Kulturstandortes Weimar: Im 19. Jahrhundert als nationale Weihestätte pathetisch überhöht, wird er heute als ein europäischer Impulsgeber für eine offene Gesellschaft interpretiert. Kulturelle und geistige gesellschaftliche Visionen im Blick zu behalten, sei Aufgabe von Institutionen wie der Klassik Stiftung und der Universität Leipzig, auch im Hinblick auf das große Goethe-Jubiläum 2032.
Die Rektorin der Universität Leipzig und stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Universitätsgesellschaft Leipzig, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, bedankte sich für die herzliche Begrüßung und Aufnahme durch die Klassik Stiftung und hob in ihrer Rede die Gemeinsamkeiten von Weimar und Leipzig hervor. Das Exkursionsprogramm konnte gemeinsame Interessen in der Goethe-Rezeption aufgezeigen, zumal Goethe Alumnus der Universität Leipzig war. Auch über den Unibund Halle – Jena – Leipzig ergeben sich vielfältige Verbindungen, und wie Weimar hat auch die Universität Leipzig mit Antikemuseum, Ägyptischem Museum, Kustodie und Musikinstrumentenmuseum einzigartige kulturelle Sammlungen zu bieten. Das Deutsche Literaturinstitut bietet als Teil der Universität Leipzig eine Möglichkeit zur Ausbildung in literarischem Schreiben.
Neben der Lehre und Forschung habe die Universität auch die Aufgabe, Begegnungsräume für Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu gestalten. Die Rektorin sprach in diesem Zusammenhang der Universitätsgesellschaft ihren Dank aus: Die tatkräftige Unterstützung und die Spenden ihrer Mitglieder leisten einen wichtigen Beitrag für die Universität Leipzig. Zudem dankte sie Mandy Baum (Mitglied des Vorstands der Universitätsgesellschaft und Leitung Stiftungen der VNG, VNG Stiftung und Mitteldeutsche Stiftung Wissenschaft und Bildung) und Anja-Eugenie Lolies (Generalvertretung Allianz) für die Förderung, sowie Dr. Folker Metzger und Dr. Robert Benjamin Biskop (Geschäftsführender Vorstand der Universitätsgesellschaft) und allen weiteren Helfern für die inhaltliche Konzeption und Vorbereitung der Exkursion. Die Präsidentin der Klassik Stiftung und die Rektorin der Universität eröffneten gemeinsam den Empfang in der Orangerie und läuteten damit den Abschluss des Tages ein.
Die Universitätsgesellschaft Leipzig bedankt sich bei der Klassik Stiftung Weimar, der VNG-Stiftung und der Mitteldeutschen Stiftung Wissenschaft und Bildung, der Generalvertretung Allianz Lolies, dem Café Belvedere, dem Café Samocca, dem Busunternehmen Vario Bus; und bei allen Mitgliedern, welche die Veranstaltung in Vorbereitung und Durchführung aktiv unterstützt haben: Emanuel Mathias, Albrecht Peikert, Simone Pohl, Dr. Jürgen Ronthaler, Claudia Schmidt, Harald Hausbeck, und Markus Kossmann.
Text: A. Peikert
Fotos: J.E. Mathias
