Preise für besonderes Engagement 2024/2025
LEHRE – Team der fakultätsübergreifenden Exkursion nach Chimfunshi, Sambia
Laudatio
Die Universitätsgesellschaft Leipzig vergibt für besonderes Engagement für die Universität Leipzig im akademischen Jahr 2024/25 den Preis für besondere Leistungen in der Lehre an das Team der fakultätsübergreifenden Exkursion zur Schimpansen-Auffangstation Chimfunshi in Sambia unter Leitung von Frau Prof. Liebal.
Das humboldtsche Bildungsideal fordert die Einheit von Forschung und Lehre. Doch exzellente Lehre muss oft noch einen Schritt weitergehen: Sie muss Disziplinen vernetzen, den geschützten Raum des Hörsaals verlassen und sich komplexen, realen Herausforderungen stellen.
Wir ehren heute ein Team von sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die genau diesen Anspruch in beispielhafter Weise eingelöst haben. Den Preis für besonderes Engagement in der Lehre erhält somit das interdisziplinäre Team um Junior-Professorin Dr. Beryl Eusemann (Tierschutz und Ethologie), Dr. Kathrin Kopp, Professor Dr. Wolfgang Blenau und Professorin Dr. Katja Liebal (alle 3 Humanbiologie und Primatenkognition), Professorin Dr. Simone Reinhold (Grundschuldidaktik Mathematik), und Professor Dr. Daniel Haun (Leiter der Abteilung für vergleichende Kulturpsychologie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie).
Was diese Exkursion auszeichnet, ist nicht allein ihr Zielort, sondern die didaktische Tiefe und die enorme organisatorische Vorleistung, die weit über andere Exkursionen hinausgingen. Die zweiwöchige Forschungsreise mit 14 Studierenden der Biologie, der Veterinärmedizin, der Erziehungswissenschaften und der Psychologie war der Kulminationspunkt einer einjährigen, intensiven Vorbereitungsphase.
Dieses Team hat eine Lernumgebung geschaffen, die in dieser Form im regulären Curriculum kaum abzubilden wäre. Sie organisierten Methodentrainings im Leipziger Zoo, führten Bewerbungsverfahren zur Auswahl der Studierenden durch und bereiteten sie in fünf Sondersitzungen nicht nur fachlich, sondern auch kulturell und sprachlich auf den Austausch vor. Die Studierenden berichten übereinstimmend von einer Erweiterung ihres Horizonts, sowohl im Hinblick auf Ressourcenbewusstsein und Artenschutz als auch in Bezug auf interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit.
Besonders hervorzuheben ist die gelebte Interdisziplinarität. Die Grenzen zwischen den Fächern wurden nicht nur theoretisch, sondern praktisch aufgehoben. Wenn Studierende des Grundschullehramts gemeinsam mit Veterinärmedizinerinnen forschen, entstehen neue Perspektiven. Ob bei der Beobachtung von Primatenverhalten, dem Monitoring der Biodiversität oder der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in der „Twampane school“: Die Studierenden lernten, wissenschaftliche Fragestellungen durch die Brille der jeweils anderen Disziplin zu betrachten.
Das Team legte größten Wert auf den reziproken Austausch mit den Partnern vor Ort – den Tierpflegern, Lehrkräften und Tierärzten in Sambia. Das Engagement manifestierte sich auch materiell: Eine halbe Tonne an veterinärmedizinischer Ausrüstung, Schulmaterialien und Kleidung wurde transportiert und übergeben. Zudem wurden nachhaltige Low-Cost-Lehrmaterialien entwickelt, die vor Ort verbleiben. Dies ist Wissens- und Bildungstransfer im besten Sinne.
Für diese außerordentlichen Verdienste verleiht der Vorstand der Universitätsgesellschaft sehr gern den Preis für besonderes Engagement in der Lehre an das Team der Chimfunshi-Exkursion.
